Unsere Honigbienen sind bedroht, nicht nur die intensive Landwirtschaft, die Klimakrise und eingeschleppte Krankheiten oder Parasiten sind der Grund, sondern auch, häufig ungeahnt, die moderne Imkerei. Medikamente und manipulierende Eingriffe in das Volk sind die Regel. In diesem Beitrag zeigen wir dir in welchen Punkten die Imkerei den Bienen schadet. Außerdem gehen wir der Frage auf den Grund warum es kaum varroatollerante Imkervölker gibt, wieso die Zahl der Behandlungen gegen die Milbe stetig zunimmt und wie es trotz allem wilde Bienenvölker schaffen zu überleben (Erklärung hier).

Flugbetrieb - Bild von 2396521 auf Pixabay
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Weiselzelle - Bild von Franz Schmid auf Pixabay
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Schwarm - Bild von VcelarstviThomayer auf Pixabay
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Schwarm - Bild von Andreas Neumann auf Pixabay
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Schwarm - Bild von Felix Wolf auf Pixabay
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Schwarmeinzug - Bild von Adrian Ihlow
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1.) Schwarmmanagement 
Da das Schwärmen, die natürliche Volksteilung, durch die Brutunterbrechung und den Abgang von Altbienen die Honigmenge negativ beeinflusst, verhindert die Imkerin oder der Imker diesen Prozess. Man möchte den abgehenden Schwarm außerdem nicht verlieren und in die natürliche Selektion geben. Nur wenn eine junge nachfolgende Königin für das zurückgeblieben Volk durch Schwarmzellen gesichert ist, die Honigvorräte ausreichend, der Platz in der Beute genutzt und die Menge an Arbeiterinnen reichlich ist, würde das Volk schwärmen. Die Imkerin oder der Imker nutz dieses Verhalten aus und setzt Raumerweiterungen, Schwarmzellen brechen, Honigernten oder künstlicher Volksteilung ein, um das Schwärmen zu verhindern und die Honigmenge zu sichern.

Für die Bienen ist das Schwärmen ein Erneuerungsprozess. In der Zeit zwischen dem Schwarmabgang und dem Beginn der ersten Eiablage der neuen Königin herrscht eine Brutpause. Butkrankheiten oder Parasiten sind damit in der Zeit ungefährlich und können sich nicht entwickeln oder vermehren. So ist die Varroapopulation am Ende der Saison deutlich geringer, es kann auf eine medikamentöse Sommerbehandlung fast immer verzichtete werden. Auch findet die enorm wichtige natürliche Selektion, welche zu einem Teil aus dem Vermehrungsprozess besteht, damit nur begrenzt statt. Für den Schwarm würde eine Belastungsprobe beginnen, ein neues Volk muss aufgebaut werden. Durch die Schwarmverhinderung wird dieser Prozess gestoppt und auch schwächere können überleben und ihre Gene weitergeben. Die Widerstandskraft und die Gesundheit ist langfristig in großer Gefahr.​​​​​​​
Bild von PollyDot auf Pixabay
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Bild von Lolame auf Pixabay
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Bild von seagul auf Pixabay
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Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay
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Bild von Pexels auf Pixabay
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2.) Wachs und Waben
Die Waben sind das Skelett des Superorganismus Bienenvolk. Sie sind Lagerungsstätte von Pollen und Honig, Aufzuchtsort des Nachwuchses und Kommunikationsplattform, denn hier wird auch der Schwänzeltanz aufgeführt. Das Bauen der Waben ist zeitintensiv und kräftezehrend, weshalb die Imkerin oder der Imker es mit der Verwendung von Mittelwänden ersetzt. Mehr Ressourcen sind für die Honigproduktion übrig. Mittelwände sind in sechseckige Formen, gewalzte Wachsplatten aus dem Wachs vieler, meist fremder, Völker. 
In Fällen der Vorratsknapheit oder den Verlust der Königin werden überschüßige Futterwaben oder Brutwaben mit jungen Waben, aus denen die Bienen neue Königinnen ziehen können, umgehangen, die Waben werden getauscht.

Da das Wachs alle festlöslichen Hormone, Pheromone und Pollenanteile im Stock aufnimmt, werden Waben zu etwas individuellen, zu einer Chronik eines Volkes. Durch die Verwendung von Mittelwänden und dem Einsetzten des Wabentausches geht diese Chronik verloren. Hinzu kommt, dass durch den Wabentausch auch schwächere Völker überleben und ihre Gene weitergeben. Die Widerstandskraft und die Gesundheit ist langfristig in großer Gefahr.​​​​​​​
Honigwabe - Bild von PollyDot auf Pixabay
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Geerntete Honigwaben - Bild von 家伟 liu auf Pixabay
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Honiggläser - Bild von PollyDot auf Pixabay
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Honig - Bild von Gasfull auf Pixabay
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3.) Honigernte
Obwohl die Honigernte für die meisten Imkerinnen und Imker nicht im Vordergrund steht, lassen sich dennoch viele manipulierenden und medikamentösen Maßnahmen auf diese zurückführen. Den Bienen wird bereits im Frühjahr zusätzlichen Raum für die Einlagerung des süßen Goldes gegeben. Auch wird das Schwärmen (siehe 1. Schwarmmanagment) zu Gunsten des Honigs unterdrückt. Die Vorratskammern werden im Laufe der Saison regelmäßig geleert, damit immer Platz für neuen ist. Nach Kriterien des Honigs wird selektiert und vermehrt, Mittelwände (siehe 2. Wachs und Waben) werden eingesetzt um den Bienen die Arbeit des Waben Bauens abzunehmen und freie Zeit für die Honigproduktion zu gewinnen. Im Herbst haben die Völker keine Vorräte mehr und sie werden mit industriellen Zucker gefüttert.

Durch den permanenten freien Platz sind die Bienen getrieben und produzieren ununterbrochen Honig. Bei der Hygiene und anderen wichtigen Arbeiten wird letzten Endes gekürzt, weil bei den Bienen die Vorratssicherheit, welche für diese nur bei vollen Honigräumen gegeben ist, an oberster Stelle steht. Das Grooming, das gegenseitige putzen, bei dem Varroamilben getötet werden, fällt weg. Durch die Schwarmverhinderung ist die ganze Saison Brut vorhanden und die Varroa, welche sich in der Brut vermehrt, erreicht schnell gefährlich große Populationen. Auch die Mittelwand, welche Wachs vieler, meist fremder Völker enthält, ist problematisch (siehe 2. Wachs und Waben). Risikoreich ist auch die Selektion in erster Linie nach der Honigleistung. Vitalität und Widerstandskraft werden oft nicht gleichermaßen beachtet. Selbst wenn man auch nach diesen Kriterien arbeitet ist die harte natürliche Selektion nicht gegeben. Auch schwächere Völker überleben und gefährden den Bestand aller (siehe 6. Selektion). Die Fütterung mit industriellem Zucker sorgt für Anfälligkeit, da natürliche Inhaltsstoffe fehlen. Die Bienen sterben vergleichsweise früher. (Video dazu hier)​​​​​​​
Varroamilbe auf Brutwabe mit Biene - Bild von xiSerge auf Pixabay
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Befallene Biene - Bild von David Mark auf Pixabay
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Varroamilben in leerer Brutzelle - Bild von xiSerge auf Pixabay
Varroamilben in leerer Brutzelle - Bild von xiSerge auf Pixabay
Varroakontrolle - Bild von jldmat auf Pixabay
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Varroamilbe - Bild von olivierlevoux auf Pixabay
Varroamilbe - Bild von olivierlevoux auf Pixabay

4.) Varroamanagment
Die Varroamilbe ist ein eingeschleppter Parasit, welcher sich in der Brut der Völker vermehrt und diese schädigt. Ohne imkerliches Eingreifen sterben die Völker meist innerhalb von zwei Jahren an der Milbe. Seit je her behandeln Imkerinnen und Imker ihre Völker mit Medikamenten oder biotechnischen Maßnahmen, wie das Drohnenbrutschneiden. Die Behandlungen mussten im Laufe der Zeit immer weiter gesteigert werden, der Grund ist die wachsende Vitalität der Milbe.

Mit den Behandlungen überleben Völker, welche ohne den Menschen nicht überlebt hätten. Der Mensch greift damit in die natürliche Selektion der Bienen ein. Varroatolerante Völker haben somit keine Vorteile und können sich folglich nicht durchsetzten. Wir stehen immer noch am gleichen Punkt, wie bei der Einschleppung. Es gab noch kaum Aussortieren, die Verluste wären ohne Behandlung stark, würden sich innerhalb von paar Jahren normalisieren, wie man es in Regionen in Südamerika, Afrika oder in Europa sehen konnte. 
Die Behandlungen eliminieren zwar viele der Milben, aber auch die Bienen werden geschwächt.
Während die Bienen sich nicht selektieren können, werden die Milben es bei jeder Behandlung. Mit jeder, vor allem bei denen mit Säure, überleben nur die stärksten und vermehren sich. Die Milbe ist dadurch immer aggressiver und vitaler geworden, die Behandlungen mussten so immer weiter gesteigert. 
Bild von frnzy auf Pixabay
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Bild von M. Roth auf Pixabay
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Bild von jggrz auf Pixabay
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Bild von Michael Strobel auf Pixabay
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Bild von Peter Ocvirk auf Pixabay
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5.) Beuten
Früher lebten die Bienen in Baumhöhlen, heute werden sie in Beuten gehalten. Die Unterschiede sind groß. Die Wandstärken liegen bei Baumhöhlen fast immer über 6 cm, in Beuten betragen sie meistens um die 2 cm.  Die Volumina in Bienenbaumhöhlen liegen etwa zwischen 30 und 60 Litern, die der Beuten wachsen in den Sommern meist auf etwa 150 Liter.

Die Unterschiede könnten größer nicht sein, die Beuten bedeuten, durch die enormen Größe und den niedrigen Wandstärken, für die Bienen mehr heizen. Baumhöhle sind dagegen perfekt wärmeisoliert. Es muss weniger Zeit für das Heizen aufgewendet werden. Durch die weggefallende Arbeit wird die Brutmenge herunter gefahren, es werden nicht so viele Arbeiterinnen benötigt, die Ammenbienen altern langsamer, da die kräftezehrende Brutpflege wegfällt, sie werden älter und haben zusätzlich mehr Zeit. Die freien Kapazitäten werden auch in intensive Hygienearbeiten gesteckt, nur in kleinräumigen Völkern, ohne Eingriffe des Menschen, konnte eine hohe Groomingrate beobachtet werden, bei dem die Bienen sich gegenseitig putzen und so auch Varroamilben entfernen. Auch durch die geringere Brutmenge ist ist die Varroapopulation geringer, sie kann sich nicht so gut vermehren. Zudem wurde die Brut hygienisch besser gepflegt, bei einem Verdachtsfall öffnen die Bienen die Zelle der Puppe, die jungen Milben sterben so ab. 
Künstliche Königinnenzucht - Bild von ionel nistor auf Pixabay
Künstliche Königinnenzucht - Bild von ionel nistor auf Pixabay
Markierte Königin - Bild von xiSerge auf Pixabay
Markierte Königin - Bild von xiSerge auf Pixabay
Königinnenkäfig - Bild von Matthew Greger auf Pixabay
Königinnenkäfig - Bild von Matthew Greger auf Pixabay
Schwarmfalle, der natürliche Abgang eines Schwarms wird verhindert - Bild von PollyDot auf Pixabay
Schwarmfalle, der natürliche Abgang eines Schwarms wird verhindert - Bild von PollyDot auf Pixabay
Schlüpfende Drohne - Bild von PollyDot auf Pixabay
Schlüpfende Drohne - Bild von PollyDot auf Pixabay

6.) Selektion
Die natürliche Selektion, die Evolution sichert das langfristige Überleben von Lebewesen, so ist es auch bei Bienen. Dank dieser konnten sie sich in Millionen von Jahren an die sich ständig verändernde Natur anpassen. Die Biene ist so zudem geworden, wie wir sie heute kennen. Sozial, intelligent und widerstandsfähig. Heute selektiert nicht mehr ausschließlich die Natur, sondern auch der Mensch die Biene. Wir selektieren in erster Linie nach der Honigleistung, auch auf Schwarmträgheit und weniges Propolisieren achten die meisten, zunehmend mehr in den Mittelpunkt kommt die Varroatoleranz und die Gesundheit. Trotzdem können Imkervölker nur in seltensten Fällen alleine mit der Milbe umgehen, wie kann das sein? Hat die Zucht in der Imkerei versagt?

Die natürliche Selektion hat in kurzer Zeit das geschafft, was die menschliche Zucht in Jahren nicht erreicht hat. Varroatoleranz ist innerhalb von kürzester Zeit in Regionen aufgetreten, in denen die Imkerinnen und Imker die natürliche Selektion nach Kriterien der Varroatoleranz nicht unterbrochen haben (siehe 4.Varroamanagment). Beispiele hierfür sind Regionen in Südamerika, Afrika und Europa. Auch das berühmte Gotland Projekt von 2000 bis 2005 in Schweden zeigte, Anpassungen innerhalb kurzer Zeit sind auch an höchst aggressive Feinde, wie der Varroamilbe, möglich. Man stellte 150 Völker unterschiedlichster Herkunft in einem weitgehend bienenfreien Gebiet an der Südspitze der schwedischen Insel Gotland auf. Die Bienen waren frei von menschlichen Eingriffen, nur eingefüttert wurde, wenn es nötig war. Nach dem Winter 2004 waren von den 150 Völkern nur noch sieben am Leben, es sah schlecht aus, allerdings wendete sich dann das Blatt, es ging aufwärts mit der Population und der Gesundheit. Ende 2005 sind es immerhin wieder 13 Völker (8,7%). Im Jahr 2010 hatte sich der Bestand bereits wieder auf 23 Völker erholt.
Mit unser Selektion beeinflussen wir nicht nur unsere ImkerInnenvölker, sondern auch die wilden. Bei Hochzeitsflügen vermischen sich die Gene, aus diesem Grund können sich wilde Populationen nur dort etablieren, wo sie isoliert sind.
Die menschliche Selektion ist nicht vergleichbar mit der natürlichen ist. Egal wie nahe wir uns den Bienen fühlen, wir bleiben Zuschauer. Wir werden sie nie komplett entschlüßeln können, sie bleiben uns fern, wir dürfen nicht in ihren wichtigsten Motor eingreifen, die Selektion, die Evolution. Bienen sind widerstandsfähige, vitale Überlebenskünstler, genau das müssen sie bleiben.
Bild von Christel SAGNIEZ auf Pixabay
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Fazit:
In den letzten Jahrzehnten musste sich die Honigbiene permanent nach den Bedürfnissen des Menschen richten, jetzt ist sie durch uns in großer Not. Das Blatt muss sich wenden. Die Bienen zeigen uns, sie können ohne uns hervorragend leben (Erklärung hier), die Imkerei aber gefährdet die wilden Populationen. Da heute der Großteil des Genpools der Bienen in Menschenhand liegt, haben wir eine große Verantwortung, nur wenn wir uns jetzt den Bienen anpassen, bleibt sie langfristig gesund. Wir Imkerinnen und Imker halten Bienen nicht für den Honigertrag, wir sind fasziniert von ihr und wollen der Artenvielfalt etwas gutes tun. 
Lasst und dem gerecht werden!
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